|
Faszination Naturfotografie
Ein
kleiner Ratgeber für Einsteiger
von Michael Sauer
Stimmungsvolle Landschaftsbilder, spannende Tierfotos und
Makroaufnahmen mit winzigen Details: Davon träumen viele
Hobbyfotografen. Doch aller Anfang ist schwer und so gelingen
auch die erhofften Traumbilder nicht immer vom Start weg. Nicht
selten wird dann versucht mit einer sündhaft teuren Ausrüstung
Abhilfe zu schaffen. Dass es am Anfang nicht unbedingt die
kostspielige Profiausrüstung sein muss um hochwertige Fotos zu
erzielen, soll dieser Erfahrungsbericht zeigen.
Es ist noch früh am Morgen, die ersten Sonnenstrahlen sind am
Horizont zu sehen und tauchen die Landschaft in ein diffuses
Licht. Nebel steigt vom Boden auf und das warme Sonnenlicht
lässt die umliegenden Bäume rot erstrahlen.
Um
solche Momente in eindrucksvollen Bildern festzuhalten, bedarf
es nicht unbedingt einer Kameraausrüstung für mehrere tausend
Euro. Grundlegende Kenntnisse der Bildgestaltung und eine gute
Einsteigerkamera mit durchdachter Zubehörauswahl sind bereits
ausreichend für gelungene Aufnahmen. Anstatt in eine
kostspielige Profikamera zu investieren, sollte man vielmehr auf
die richtige Zusammenstellung der Ausrüstung achten. Gute Fotos
entstehen nicht durch die eingesetzte Technik, sondern vielmehr
durch gezielte Motivauswahl und sorgfältige Bildgestaltung. Dem
Betrachter wird es später egal sein mit welcher Technik die
Aufnahme entstand. Wenn Motiv und Bildaufbau langweilig und
nichts sagend sind, wird auch eine teure Kamera nichts an einem
schlechten Foto ändern.
Die
richtige Ausrüstung für den Einstieg
In der Praxis führen mehr
Megapixel nicht zwangsläufig zu besseren Bildern. Wie viele
Megapixel tatsächlich benötigt werden, hängt hauptsächlich vom
späteren Verwendungszweck ab. Möchten Sie Ihre Bilder am
Bildschirm oder im Internet zeigen oder Abzüge bis 20x30 cm
anfertigen, dann ist eine Auflösung von 6 Megapixeln bereits
mehr als ausreichend. Es stellt sich daher vielmehr die Frage,
nach der richtigen Zusammenstellung der Kameraausrüstung. Die
Antwort hängt hauptsächlich von den bevorzugten Motiven ab. Gibt
es einen eindeutigen Schwerpunkt, z.B. Landschaften, Tiere oder
Makrofotografie? Ist diese zentrale Frage beantwortet, kann es
an die Auswahl der Ausrüstung gehen.
Landschaftsfotografie
Für Landschaften sind
Brennweiten vom Weitwinkel bis zum mittleren Tele relevant. Beim
Kauf einer Spiegelreflexkamera ist man häufig mit den
Einsteiger-Sets inkl. Objektiv bereits gut bedient. Die meisten
Einsteiger-DSLR's werden mit Objektiven von 18-55 mm oder 18-70
mm Brennweite angeboten. Bezogen auf das Kleinbildformat ergibt
das Brennweiten bei ca. 27 mm beginnend. Das ist für die meisten
Landschaftsaufnahmen eine gute Wahl. Eine echte Alternative zu
Spiegelreflexsystemen sind die so genannten Bridge- oder
Superzoomkameras. Diese verfügen in der Regel über einen großen
Brennweitenbereich von ca. 30 bis 400 mm und mehr. Bei diesen
Kameras entfällt der lästige Objektivwechsel und man spart sich
die Schlepperei von zahlreichen Wechseloptiken. Für die ersten
Gehversuche in der Fotografie sind diese Geräte daher eine gute
Wahl. Wer allerdings Wert auf höchste Bildqualität legt, sollte
von Beginn an auf eine Spiegelreflexkamera setzen. Und bei den
heutigen Preisen spricht eigentlich kaum noch ein Grund gegen
ein Spiegelreflexsystem.
Noch wichtiger als die Kamera selbst, sind bei der
Landschaftsfotografie jedoch einige Zubehörartikel. Den größten
Augenmerk sollten Sie auf das Stativ legen. Erst durch den
Stativeinsatz gelingt ein gezielter Bildaufbau. Ist die Kamera
erstmal auf dem Stativ montiert, hat man sich einen Art
“Ruhepol” geschaffen. Automatisch nimmt man sich nun mehr Zeit
um den optimalen Bildausschnitt zu bestimmen und die
Bildkomposition auf störende Details zu prüfen. Auch die Gefahr
verwackelter Bilder wird durch das Stativ minimiert. Ein
wichtiger Punkt, da gerade in der Landschaftsfotografie häufig
bei schwachem Licht gearbeitet wird. In der Morgendämmerung oder
bei Sonnenuntergang sind nur mit Stativ wirklich scharfe Bilder
möglich.
Weitere lohnende Anschaffungen sind ein Polarisationsfilter für
mehr Farbintensität und Kontrast sowie ein Grauverlaufsfilter
zum Ausgleich starker Helligkeitsunterschiede zwischen Himmel
und Landschaft. Wer gerne Wasserfälle oder Bachläufe
fotografiert ist mit einem Neutral-Graufilter gut beraten. Damit
werden lange Belichtungszeiten zur Darstellung von sanft
fließendem Wasser erreicht.
Tierfotografie
Wichtigstes Kriterium bei der
Fotografie von Wildtieren ist die Brennweite. Interessant wird
es ab 300 mm, alles was darunter liegt ist aufgrund der
Fluchtdistanz der Tiere kaum relevant. Für DSLR-Kameras sind
zahlreiche Objektive in diesem Brennweitenbereich erhältlich. Im
unteren Preissegment sind diese aber meist lichtschwach und
daher nicht immer die beste Wahl. Mit ihren lichtstarken Optiken
und dem integrierten Bildstabilisator sind die Superzoomkameras
wiederum eine günstige und leistungsfähige Alternative. Bei
beiden Kameraklassen lässt sich mit Telekonvertern die
Brennweite nochmals steigern, z.B. um den Faktor 1,4 oder 2.
Doch mit langen Brennweiten steigt auch die Verwacklungsgefahr,
ein Stativ ist dann wieder Pflicht. Wer sich ernsthaft mit der
Wildtierfotografie auseinander setzen möchte, kommt übrigens
kaum an dem Thema Tarnung vorbei. Nur getarnt ist eine effektive
Annäherung an scheues Wild möglich. Aber auch in Zoos und
Wildparks gelingen mit weniger Aufwand gute Fotos.
Nah-
und Makrofotografie
Die Nah- und Makrofotografie
bietet vielfältige fotografische Möglichkeiten. Interessante
Motive warten praktisch überall: Die nächstgelegene Blumenwiese
oder Parkanlage sind bereits ergiebige Fotoziele. Dabei sind der
eigenen Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Blumen, Pilze,
Insekten oder auch Naturdetails wie Eiskristalle, Blätter und
Steine ermöglichen interessante Fotos. Bereits bei
Einsteigerkameras liefert die eingebaute Makrofunktion
erstaunlich gute Resultate. Möchte man die Ergebnisse weiter
verbessern, empfiehlt sich eine Nah-/Makrolinse für einen
größeren Abbildungsmaßstab bzw. um noch näher an das Motiv heran
zu kommen. Ein wichtiges Gestaltungsmittel bei Makroaufnahmen
ist die Schärfentiefe. Fotos bei denen nur wichtige Bildelemente
scharf abgebildet werden, wirken meist besonders ansprechend.
Spiegelreflexkameras sind hier im Vorteil, denn sie haben
grundsätzlich eine geringere Schärfentiefe. Somit ist dieser
Effekt mit einer DSLR leichter zu erreichen.
Entscheidungshilfen
Entscheidend bei der Auswahl
einer Kamera sind die manuellen Einstellmöglichkeiten. Denn
nicht immer führt die Vollautomatik zum gewünschten Ergebnis.
Und meist versagt die Automatik immer genau dann, wenn gerade
eine besonders interessante Lichtstimmung besteht. Ein manuelles
Einstellen der Aufnahmeparameter ist dann angesagt. Doch kein
Grund zur Sorge, praktisch alle aktuellen DSLR’s und
Superzoomkameras haben hier einiges zu bieten. Darüber hinaus
sollte die Kamera folgende Kriterien erfüllen:
-
Manuelle
Belichtungseinstellung
-
Manuelle
Schärfe- und Zoomeinstellung
-
Filtergewinde
-
Anschluss für Fernauslöser
-
Automatische Belichtungsreihenfunktion
-
Bildstabilisator
Sinnvolles Zubehör
Eine durchdachte Zubehörauswahl
entscheidet nicht selten über die Qualität der Fotos. Wie
bereits erwähnt zählt das Stativ zu den wichtigsten
Hilfsmitteln. Eine weitere sinnvolle Ergänzung ist ein
Fernauslöser. Die Verwacklungsgefahr beim Auslösen wird damit
reduziert und man kann sich ganz auf das Motiv konzentrieren.
Die besten Motive ergeben sich meistens unterwegs. Daher sollte
man die Fotoausrüstung zum stetigen Begleiter machen um spontan
reagieren zu können. Ein Fotorucksack ist dafür optimal
geeignet. Bei der Naturfotografie erweisen sich einige weitere
Utensilien als sehr hilfreich. So leistet z.B. ein Müllbeutel
gute Dienste als Unterlage für bodennahe Aufnahmen oder als
Regenschutz für die Kamera. Ein Stück Alufolie passt bequem ins
Gepäck und ist als Sonnenlicht-Reflektor sehr nützlich um dunkle
Schattenpartien aufzuhellen. Ebenfalls nicht fehlen sollten
Reinigungstücher, Ersatzakkus und Speicherkarten.
Nach
der Aufnahme
Als engagierter Digitalfotograf
sollte man sich mit dem Thema Bildbearbeitung befassen. Gute
Fotos können am PC weiter optimiert werden. Neben der
Profisoftware Photoshop gibt es preisgünstige und
leistungsfähige Alternativen speziell für Hobby-fotografen.
Grundlegende Bildverbesserungen wie Tonwert-korrektur, optimaler
Bildausschnitt, Schärfe oder Farbsättigung sind damit auch für
Einsteiger problemlos umsetzbar.
Naturerlebnis steht im Vordergrund
Das Schönste am Hobby
Naturfotografie ist jedoch das Natur-erlebnis selbst. Ein
respektvoller Umgang mit der Natur sollte daher
selbstverständlich sein. Die Chance auf ein spektakuläres Foto
darf nicht dazu verführen, seltene Orchideen niederzutrampeln
oder Tiere in ihren Rückzugsgebieten zu stören. Dann kann
Natur-fotografie sogar aktiver Naturschutz sein. Der verstorbene
Tierfilmer und Naturschützer Heinz Sielmann sagte einmal: “Nur
was man kennt, will man auch schützen”. Die Natur zu
fotografieren bedeutet, sich mit ihr zu beschäftigen. Man möchte
schließlich wissen, welches Insekt man fotografiert hat oder
warum diese Blume bereits im Winter blüht. Um Ihre Motive in
Szene zu setzen, werden Sie zwangsläufig den Charakter einer
Landschaft erforschen oder das Verhalten von Tieren studieren.
Durch die Fotografie werden Sie sich intensiv mit Ihrer Umwelt
auseinandersetzen. Mit jedem gelungenen Foto wird Ihnen bewußt,
daß es wichtig ist dieses „Motiv“ zu erhalten. Genau darin liegt
die eigentliche Faszination der Naturfotografie.
Fazit
Naturfotografie ist ein
spannendes Themengebiet. Wer seine ganz persönlichen
Naturerlebnisse in Bildern festhalten möchte, findet in diesem
Hobby eine ideale Ergänzung zur Naturverbundenheit. Ein
engagierter Einstieg ist bereits mit geringem Budget möglich,
häufig genügt sogar die bereits vorhandene Ausrüstung für die
ersten Schritte. Eine aktuelle Spiegelreflex- oder
Superzoomkamera, kombiniert mit sinnvollem Zubehör, bietet eine
gute Grundlage für ansprechende Bilder. Mit dieser Ausrüstung
und etwas Grundlagentheorie gelingen recht schnell ansprechende
Bilder. |